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Station 9 – Bochum

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Beton und Blumen

Neben seinen zahlreichen Zechen ist Bochum vor allem für ein weiteres Bauwerk bekannt: seine Uni. Denn kaum eine andere Uni ist – wenn man sich als Student mit anderen Studenten austauscht – so umstritten. Auch wenn sie aus der Luft wie eine Muschel aussehen sollte...es bleibt ein hässlicher, trister Betonklotz. Der Wind pfeift um jede Ecke, viele der Gehwegplatten sind lose und drehen sich unter den Füßen plötzlich um. Die düsteren, großen Parkhausanlagen sorgen vor allem bei Studentinnen für ein beklemmendes Gefühl. Und der Ruf, dass dort jeder hin darf, scheint die Abschlüsse abzuwerten. "Ich studiere in Bochum" ist nicht salonfähig. So kann man das sicherlich sehen.

Man kann aber auch einmal versuchen, das Ganze aus einer anderen Perspektive zu betrachten: Immerhin handelt es sich hier um die erste Neugründung einer Universität in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt. In der Kunstgeschichte gibt es eine eigene Rubrik, die sich mit derlei (Beton-)Bauten aus den 1960er-Jahren befasst und sie zu würdigen weiß. Das Gelände mag in die Jahre gekommen sein und dennoch ist es nach wie vor ein absolutes Vorbild in Sachen Campusleben. Es gibt eine zugehörige Studentenstadt, es gibt eine eigene "Versorgungsmeile" und ein funktionierendes, sehr gut erschlossenes U-Bahn-Netzwerk. Die Parkhausanlagen sind zwar riesig, bieten aber auch kostenfreie Parkplätze für Tausende von Pkw. Und dass hier jeder hin darf, war seinerzeit das erwünschte Ziel – endlich eine Uni auch für "Arbeiterkinder". Ihr Ruf sollte sich also nicht darüber definieren, wer hier hin darf, sondern darüber, was aus den Leuten wird, die diese Uni besuchen. Und wenn man dann einmal sieht, wer hier alles studiert hat, sollte sich der erste Eindruck ganz schnell relativieren. Aber egal, wie man zu all dem oben Genannten steht, es gibt eine unleugbar wunderschöne Sache, die diese Uni hervorgebracht hat und die auch der Grund ist, warum ich auf einem Reiseblog über die Uni spreche: ihr Botanischer Garten. Auf weit über 100.000 Quadratmetern, von denen mehr als 3000 auf thematische Gewächshäuser entfallen, lässt sich hier zu jeder Jahreszeit, aber vor allem in Frühling und Sommer, herrlich lustwandeln. Unzählige Terrassen, Pfade, Treppen und Beetplatten machen den Botanischen Garten, der zeitgleich mit der Uni zu Lehrzwecken angelegt und bis heute stetig gepflegt und erweitert wurde, zu einer aufregenden Landschaft, in der es Unmengen an Pflanzen zu entdecken gibt. Überall ästhetisch eingefügte Sitzgelegenheiten und diverse Wasserspiele (in denen aktuell die Frösche vor sich hin quaken) laden zum Verweilen ein. Ob kleine Pause vom Alltag oder ganzer Tagesausflug – es lohnt sich immer!

Bochum, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

 

Der Botanische Garten der Ruhr-Universität Bochum hat ganzjährig täglich von 9:00 bis 16:00 Uhr geöffnet, in den Sommermonaten bis 18:00 Uhr. Die Gewächshäuser schließen eine Stunde vor dem Parkgelände.

Der Eintritt in den Botanischen Garten ist kostenlos.

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