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Wann ist es wirklich Luxus?

Luxusprobleme

Habt ihr sie auch? Diese eine Freundin, Bekannte oder Kollegin, die ihren Urlaub nur in Luxushotels verbringt? Mindestens 4 Sterne, darunter würde sie nie reisen? Pension? Oder gar Hostel? Das entlockt ihr nur ein Naserümpfen. Zugegeben, ich verstehe jeden, der in seinem Urlaub einen Hauch Luxus haben will, sich verwöhnen lassen, sich um nichts kümmern müssen. Aber was ist noch Luxus und was grenzt schon an Schwachsinn? Ich stelle Euch hier ein paar Beispiele von meinen Reisen vor und Ihr könnt danach selbst entscheiden.

1. Klimaanlage

Ich lasse jetzt hier mal außer Acht, dass Klimaanlagen nicht gerade umweltfreundlich sind, dass sie absolute Keimschleudern darstellen sowie immer, wirklich immer monotone Geräusche machen und oft nicht zu knapp. Denn ich verstehe, dass viele — besonders in südlichen Ländern — gerne ein kühles Zimmer haben. Aber wieso wird der Luftstrom in der Regel auf das Bett ausgerichtet? Und was hat es mit Luxus zu tun, wenn ich die Klimaanlage nicht ausschalten kann? Obwohl, kann ich ja, indem ich dem ganzen Zimmer mithilfe meiner Keycard den Strom entziehe. Aber dazu komme ich später. Ich höre mir also die ganze Nacht die Laufgeräusche der Anlage an, während ich in meinem Langarmpulli in die Decke gekuschelt bin, um nicht vollkommen krank und mit Halsschmerzen am nächsten Tag aufzustehen. Dabei wird die eigentliche Luft im Raum immer schlechter, denn die Fenster lassen sich nicht öffnen, weil — Achtung! — dann liefe die Klimaanlage nicht richtig und würde noch mehr Strom verschwenden, als sie es eh schon tut.

2. Keycards

Was waren sie doch schön, die Zeiten, in denen Hotelzimmer Schlüssel hatten. Und wer jetzt sagt: "Ach nö, das war so lästig, den immer mit sich rumzuschleppen. Vor allem mit den oft schweren Anhängern dran." — Der hat natürlich Recht. Aber mal ehrlich: Soo groß und schwer waren die auch nicht und man hat sie stets in der Tasche wiedergefunden und es im Zweifel gehört, wenn man sie aus Versehen fallen ließ. Die Keycards passen zwar bequem ins Portemonnaie, verschwinden aber auch schnell mal. Das ist es aber nicht, was mich an ihnen stört. Da hat sich gegenüber dem Schlüssel in Sachen Sorgfaltspflicht nicht viel getan. Aber kennt ihr das Spiel? Ihr steht vor eurer Zimmertür und bekommt die Tür nicht auf, weil die Art der Nutzung ständig unterschiedlich ist? Mal muss man sie drin lassen und die Klinke betätigen, mal öffnet sie erst nach dem Rausziehen. Aber auch nur unmittelbar danach. Manchmal reicht es, sie einfach davor zu halten. In fast jedem Fall ist es jedoch so, dass bei zwei Karten eine überhaupt nicht funktioniert. Hat man dann das Zimmer endlich betreten und macht die Tür hinter sich zu, folgt das nächste Problem. Ist meine Tür zu? Als Alleinreisende schließe ich meine Zimmertür gerne (besonders nachts) von innen ab, weil ich schon so manche unschöne Überraschung erlebt habe. Aber die Türschlösser mit Keycard haben ja ein Notfallsystem, das immer von innen geöffnet werden kann. Ich schließe also ab, drücke die Klinke runter zur Kontrolle und die Tür ist wieder auf. Super Sache. Sind früher wirklich so viele Menschen im Gefahrenfall nicht aus ihrem Zimmer gekommen, weil sie zu blöd waren, die Tür zu öffnen oder ist das nur eine weitere Vorsichtsmaßnahme unserer Zeit wie "Vorsicht! Heißer Kaffee ist heiß!"? Nun ja, als Nächstes wird die Karte benötigt, um den Strom zu aktivieren. Welchen Sinn das hat, erschließt sich mir nicht. Ok, der Gast nimmt die Karte beim Verlassen mit und es brennen nicht in Abwesenheit unnötig irgendwelche Lichter. Aber hat man tagsüber überhaupt so viel Licht an, dass das einen wirklichen Unterschied im Stromverbrauch macht? Und wie viel Nutzen hat das Ganze bei zwei Karten, wenn man eine vergessen kann? Und ist es wirklich Luxus, alles zentral steuern zu können und vor allem, alles zentral steuern zu müssen? Und da sind wir wieder bei der Klimaanlage. Ich kann sie ausschalten, indem ich den Strom ausschalte. Dann habe ich aber auch kein Licht mehr zum Lesen oder für das Bad. Noch mehr Luxus hatten wir kürzlich in einem Hotel in Frankfurt. Wir hatten eine Keycard für unser Doppelzimmer und zur Sicherheit der Gäste (???) wurde der Fahrstuhl mit der Keycard betrieben. Als ich abends das Zimmer verlassen musste, durfte mein Mann dann im Dunkeln ohne Strom auf meine Rückkehr warten. Wie schön wären da ein altmodischer Schlüssel und ein paar Kippschalter für das Zimmer gewesen!

3. Glas

Wie vertraut seid Ihr eigentlich mit Eurem Partner? Lasst ihr die Badezimmertür auf, wenn Ihr Euch fertigmacht oder Euer Geschäft verrichtet? Ich weiß, da gibt es viele Meinungen zu. Aber was ist mit einer Freundin oder sogar Kollegin? Stellt Euch vor, Ihr seid beruflich zu mehreren unterwegs und teilt Euch zimmer (was man wohl zugegebenermaßen nur mit Leuten macht, mit denen man bereits vertrauter ist). Zimmer teilen, Bett, Bad — alles kein Problem. Aber wollt Ihr Euch auch im Bad zusehen? Im besten Fall gibt es in den neueren Designhotels ein Bullauge vom Bett aus ins Bad. Im schlimmsten Fall ist die Badezimmertür komplett aus Klarglas oder gar nicht existent. Warum? Was hat es mit Luxus zu tun, meiner Freundin oder auch meinem Gatten beim Ka**** zuzuhören und zuzusehen? Und worin liegt der Luxus, wenn es einen Spalt unter der Tür gibt und wir ja — wegen der Klimaanlage — kein Fenster aufmachen können?

 

Es gibt aber auch noch so ein weiteres Ding mit Glas, das Ferienwohnungen, Pensionen, Privatzimmer usw. betrifft. Kennt Ihr das? Ihr habt die Unterkunft kaum betreten, da steht die Dame des Hauses schon hinter Euch und zeigt Euch den Abzieher und das Trockentuch für die moderne Designglasdusche, nur um Euch dann eine komplexe Einführung in das "Ich-möchte-keine-Wasserflecken-auf-dem-Glas-Ritual" zu geben? Ja, die Dinger sehen toll aus. Ich mag auch schöne große Duschen. Aber ich will in meinem Urlaub nicht putzen. Ein tolles Bad hat nichts mit Luxus zu tun, wenn ich nach dem Duschen komplett reinigen und trockenwischen soll.

4. Safe

Meiner Luxus-affinen Bekannten ist immer der Safe auf dem Zimmer besonders wichtig. Ein Zimmer ohne kommt nicht in Frage. Bin nur ich so oder findet es noch jemand eher fragwürdig, wenn ein Zimmer einen Safe hat? Ich frage mich dann immer, wofür man ihn braucht: Hat man in der großen Hotelanlage keine Kontrolle darüber, wer ein- und ausgeht oder klaut eventuell sogar das Personal? Was nützt ein Safe, in den kaum die Wertsachen von zwei Leuten reingehen und der in einem Kleiderschrank festgeschraubt ist? Und es ist ja nett, seinen eigenen Code zu vergeben, aber wusstet Ihr, dass diese Safes fast alle dasselbe Unlock-Passwort haben? Oder was glaubt Ihr, was die Hotelbetreiber machen, wenn mal wieder ein dusseliger Urlauber sein ach so sorgfältig ausgewähltes Passwort vergessen hat und nun nicht mehr an sein Geld und seine Papiere kommt? Ist es also Luxus, einen Safe zu haben, den jeder geschickte Dieb öffnen kann und zu dem der Hotelmanager sogar einen Generalschlüssel hat oder ist es da mehr Luxus, in einer kleinen beschaulichen Pension untergebracht zu sein, wo man seine Gäste kennt, das Zimmermädchen seit Jahren beschäftigt wird und das Hab und Gut der Gäste ebenso geschützt und verteidigt wird wie das eigene, da man ja im selben Haus wohnt?

5. Pool

30 Grad, blauer Himmel, Badesachen an und ab ins kühle Nass — ein Pool am Hotel ist in der Tat Luxus. Aber seien wir mal ehrlich: Bei wie vielen Hotels, die mit einem eigenen Pool werben, kommt es einem am Ende wie Luxus vor? Ich war inzwischen in vielen gehobenen Unterkünften mit Pool. Die Realität heißt hier häufig lauwarmes Pipibecken mit lärmenden Kindern und noch mehr lärmenden Eltern. Und sich einen Wecker stellen, um morgens Früh die Liege mit einem Handtuch zu belegen? Im Ernst? Und dann am besten noch in das viel zu stark gechlorte Wasser steigen, obwohl das Meer direkt nebenan ist?!

6. Zusatzkosten

Ist Euch auch schon aufgefallen, dass Luxushotels gerne Extrakosten berechnen für Dinge, die anderswo ganz selbstverständlich zum Service gehören? In jedem Hostel habe ich heute gesichertes WLan, soll aber für das im 5-Sterne-Hotel eine Gebühr pro 6 Stunden bezahlen? Bei jeder Pension darf ich kostenfrei direkt vorm Haus, einsehbar und geschützt parken, doch im Luxushotel kostet das 15 Euro pro Tag (nicht 24 Stunden, sondern Kalendertag, sprich 30 Euro bei einer Übernachtung) in der dunklen, ungesicherten Tiefgarage. Extrakosten für den Fernseher, für zusätzliche Kissen und 23 Euro für ein normales Frühstück. Warum? Wer zahlt das? Menschen, für die Geld wirklich keine Rolle spielt?

 

Ich habe da so einen Verdacht. Und ich scheue mich hier nicht, absichtlich zu pauschalisieren. Wahrer Luxus definiert sich über Qualität. Aber für manche geht es dann doch einfach nur darum, zu sagen, man sei in einem Luxushotel gewesen. Und wenn man die 12,50 Euro für eine Currywurst aus dem Tiefkühler nur bezahlt, um über andere die Nase rümpfen zu können.

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Kommentare: 2
  • #1

    Janina (Dienstag, 19 Juni 2018 17:31)

    Also wir haben irgendwie genug von dem Schnick Schnack in den Hotels und sind seit einer Weile begeisterte Camper =) LG, Janina

  • #2

    Laubfrosch (Freitag, 22 Juni 2018 18:04)

    Also alle aufgezählten Probleme tauchten in den von mir bereisten 4 sterne Unterkünften eher selten auf. Keycards haben immer nach rein-raus Prinzip funktioniert und Klima ließ sich immer abstellen oder Fenster öffnen. Es sind eher die 2-3 Sterne Unterkünfte die für Wlan oder extra Kissen was berechnen wollten.

    Ich glaube eher das grundsätzliche Problem ist die Frage nach welcher Wertung ich gehe, wenn ich nach zertifizierten Sternen gehe brauche ich zum Beispiel keine Klimaanlage, aber eine gute Matraze, solche Kriterien sind mir weitaus wichtiger. Mittlerweile hat ja jedes Portal eigene Sterne durch Nutzer oder ein eigenes Ranking, das finde ich viel schwieriger um ehrlich zu sein. Da steige ich nicht mehr durch und oft ist es eher irreführend.