HOCHZEITSREISE – ROADTRIP 2015

Zwei Archäologen unterwegs. Foto: Deborah Zarnke
Zwei Archäologen unterwegs. Foto: Deborah Zarnke

Frühjahr 2015

Vorgeplenkel

Planung mit Hindernissen

Eine Hochzeitsreise ist eine besondere Reise. Im besten Fall macht man sie nur einmal in seinem Leben und mit einer ganz besonderen Person. Dieses Gefühl lässt sich schwer aufschieben oder nachholen. Auch wenn man es Hochzeitsreise nennt: Es bleibt vom Gefühl her ein Urlaub von vielen. Wenn Ihr also irgendwie könnt, fahrt sofort nach Eurer Hochzeit los. Außerdem sind das Planen der Reise und die Vorfreude auf selbige eine willkommene Abwechslung im Stress der Hochzeitsvorbereitungen — wenn Ihr Euch diesen (positiven?) Stress in seinem vollem Umfang überhaupt antut.

Eben weil diese Reise so etwas Besonderes ist, sollte sie zu Euch beiden gleichermaßen passen. Sie sollte für beide schöne Erinnerungen für das gemeinsame Leben schaffen. Kompromisse sind hier nur Kompromisse und wenn einer die Reise nur dem anderen zuliebe mitmacht, wird das früher oder später Thema.

Da wir uns beide (schon allein berufsbedingt) sehr für Kultur interessieren und in unseren Urlauben gerne Action haben, war ziemlich schnell klar, dass wir nicht auf die Malediven fliegen werden, um uns hier zwei Wochen am Strand braten zu lassen, sondern dass wir Abwechslung wollen. Da ich 2014 bereits eine ähnliche Reise (leider ohne meinen Mann) gemacht hatte, stand bald fest, dass es ein Roadtrip durch Westeuropa werden sollte. Die Fragen, die sich nun ergaben, waren folgende:

1. Womit wollen wir fahren?

2. Wie lange wollen wir fahren?

3. Wie viel wollen wir dabei sehen?

4. Wie viel wollen wir dafür ausgeben?

Warum wir uns bei Frage 1 sehr schnell für einen Mietwagen entschieden haben, könnt Ihr hier nachlesen.

Frage 2 haben wir erst einmal nur grob beantwortet. Ca. 3 Wochen. Wie lange genau, sollte nun davon abhängen, wie viel Zeit wir für die einzelnen Stationen benötigen würden und was die einzelnen Aufenthalte kosten würden, damit es unser Gesamtbudget nicht überstiege.

Frage 3 war ähnlich offen. Es gab ein paar Stationen, die wir unbedingt sehen wollten, aber insgesamt waren wir hier flexibel. Uns war nur klar, dass wir an den ersten Tagen (quasi frisch und munter) Strecke machen wollten und uns danach sehr viel Zeit lassen. Möglichst kurze Strecken von einem Ort zum anderen fahren und alle paar Tage längere Aufenthalte zum Verschnaufen.

Da wir "Mittelmaß" sind, wenn es ums Reisen geht, wollten wir weder Luxushotels noch Mehrbettzimmer im gemischten Schlafsaal. Als junges Ehepaar wollten wir unsere Privatsphäre in möglichst günstigen, aber sauberen und empfehlenswerten Unterkünften. Dabei waren wir frei, ob Hotel, Ferienwohnung oder Zweibettzimmer im Hostel. Unsere Ansprüche lauteten: im Schnitt 50 Euro pro Nacht für uns beide zusammen (solider Preis für 3 Sterne), eigenes Bad, W-Lan (falls wir uns kurzfristig umentscheiden würden und um die Tage vor Ort zu planen, wie Öffnungszeiten, Fahrzeiten etc.) und natürlich ein Parkplatz. Was wir bei der einen Unterkunft sparen konnten, gab uns Spielraum bei einer anderen – z.B. in einer Stadt, wo der Preisspiegel insgesamt höher lag – oder für zusätzliche Unternehmungen.

Dann fingen wir an zu buchen. Da ich seit jeher fast ausschließlich mit booking.com buche und es bis heute als einzigen Anbieter voll empfehlen kann [nein, ich werde nicht dafür bezahlt, das zu sagen — leider :-)], entschieden wir uns auch hier wieder für diese Plattform; vor allem, um alle Unterkünfte möglichst kurzfristig kostenlos stornieren zu können, falls wir uns umentscheiden würden. Ca. 2 Monate lang haben wir immer wieder, wenn Zeit war, geschaut, was uns gefällt, wo man wie hin kommt und unterkommt und was es vor Ort zu entdecken gibt. Teilweise habe ich ganze Nächte vor dem PC verbracht. Besonders erinnere ich mich an einen riesen Lachflash morgens früh gegen halb 4. Im Nationalpark Hohe Tauern ist es recht üblich, das Bad noch auf dem Flur zu haben. Umso glücklicher war ich, als ich ein Angebot entdeckte "mit eigener Dusche". Als ich Bilder zu der Unterkunft aufrief, sah ich, dass die eigene Dusche einfach mitten im Zimmer stand. Quasi direkt vorm Bett. In meinem übermüdeten Zustand hätte ich mich bald nass gemacht vor Lachen. Ich habe meinen noch-Freund geweckt und versucht, ihm unter Prusten zu erklären, was ich Tolles entdeckt hatte. Wir entschieden uns, die Unterkunft zu buchen, einfach, weil wir das "live" sehen wollten.

Als letztendlich fast alles stand, kam uns der plötzlich deutlich veränderte Kurs der Schweizer Franken in die Quere. Auf einmal sollten unsere Unterkünfte in der Schweiz fast das Dreifache kosten, woraufhin wir uns kurzerhand entschieden, die Schweiz wieder komplett rauszuschmeißen. Zum Glück betraf das nur den Einstieg in unsere Fahrt, hatten wir doch ursprünglich vorgehabt, zuerst nach Locarno zu fahren und dann am Lago Maggiore entlang...

© Google Earth Pro 2018
© Google Earth Pro 2018

Als wir schließlich mit der Planung fertig waren, umfasste unser Roadtrip 23 Tage und 16 Stationen:

Senden – Rothenburg ob der Tauber — Schönau am Königssee — Oberstdorf — Varese — Como — Bergamo — Brescia — Verona — Vicenza — Padua — Prägraten am Großvenediger — Pörtschach am Wörthersee — Graz — Wien — Regensburg — Fulda – Senden

Regensburg und Fulda waren dabei jedoch keine eigentlichen Bestandteile der Reise mehr, sondern dienten nur der entspannten Rückreise, indem wir die Strecke von Wien in möglichst gleichgroße Stücke teilten und günstige Hotels in unmittelbarer Nähe zur Autobahn buchten. So wurde die Rückfahrt entzerrt, damit nicht alle Erholung und alle guten Erinnerungen in einem 14-Stunden-Stau-und-Nervenkrieg-Rückweg über Bord geworfen wurden. Etwas, das ich auch jedem von Euch empfehlen kann. Plant ausreichend Zeit für die Rückreise ein. Wenn Ihr gestresst und entnervt zuhause ankommt, war der ganze Urlaub umsonst und der Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag fällt umso schwerer.

Etwa 2 Wochen vor der Hochzeit stand somit alles endgültig fest und unser großer Tag sowie der Road Trip danach konnten kommen.

 

Wie unsere Reise startete und was wir in den ersten Tagen erlebt haben, das könnt Ihr nächsten Dienstag hier nachlesen. Ich freu mich auf Euch!

20. & 21. Juni 2015

Der Morgen danach und ganz viel Regen

Rothenburg ob der Tauber

Der Morgen nach unserer Hochzeit war... müde. Aber glücklich. Und dann steckt man so einiges weg. Unsere Feier ging bis morgens früh gegen 3:00 Uhr. Da wir einen Großteil wie Catering und Deko selbst organisiert hatten, haben wir noch angefangen, aufzuräumen und vorzusortieren, und haben auch schon das, was ging, in den Wagen geladen und mitgenommen. Zuhause angekommen haben wir es uns dann auch nicht nehmen lassen, noch die Geschenke auszupacken und zu bewundern. Geschlafen haben wir erst irgendwann gegen 5:00 Uhr. Der Wecker ging keine drei Stunden später, immerhin hatten wir noch viel zu erledigen vor unserer Reise. Als erstes kamen meine Schwiegereltern morgens auf ihrem Weg vom Hotel nach Hause vorbei, um unsere Haustiere abzuholen und in den kommenden Wochen zu versorgen. Danach mussten wir zurück zum Festsaal. Wer schon einmal einen Raum für einen Geburtstag oder andere Feier gemietet hat, wird das kennen: besenrein übergeben bis um 12:00 Uhr. Folglich haben wir die Reste aufgeräumt (was zum Glück nicht mehr viel war) und mit dem Inhaber abgerechnet und bezahlt. Dann kam die eigentliche Arbeit, denn unsere Wohnung sah aus wie ein Schlachtfeld. Hier türmte sich alles, von unserer Kleidung für die Hochzeit, über Geschenke und Reste der Hochzeitstorte bis hin zu den Resten des Buffets, dreckigem Geschirr und Deko. Folglich verbrachten wir die nächsten Stunden mit aufräumen und spülen. Und packen. Denn bei den ganzen Vorbereitungen für die Hochzeit, waren wir noch nicht dazu gekommen. Im Laufe des Tages brachten wir alles so auf Stand, dass die Wohnung die nächsten drei Wochen überdauern würde und dann durften auch wir endlich endlich schlafen.

Da der erste Tag nur unseren "Anreisetag" darstellte, hatten wir uns entschieden, diesen — nach dem Stress der vorangegangenen Tage — möglichst entspannt zu begehen. Wir haben also ein wenig ausgeschlafen und sind dann los, den Mietwagen abzuholen. Danach wurde alles verstaut, noch dreimal überprüft und schließlich konnte es gegen Mittag losgehen mit unserer Hochzeitsreise. Den Proviant bildeten die Reste vom Buffet sowie Teile der Hochzeitstorte und ein ganzes Blech sonstiger Kuchenreste. Wir waren also versorgt.

Die Fahrt nach Rothenburg ob der Tauber lief weitestgehend störungsfrei, doch das Wetter war morgens schon nicht gut gewesen und wurde während der Fahrt immer schlechter. Als wir am frühen Abend in Rothenburg ankamen, schüttete es aus Kübeln. Übernachtet haben wir in der Pension Hofmann-Schmölzer. Hier wurden wir sehr nett empfangen und erhielten den Tipp zu einer nächtlichen Führung durch die Stadt, die trotz des Starkregens stattfinden sollte. Da wir nur eine Nacht in Rothenburg gebucht hatten und gerne etwas erleben wollten, entschieden wir uns für die Führung. Immerhin gibt es kein schlechtes Wetter,... Ihr kennt den Spruch. Und tatsächlich warteten mit uns noch acht andere Unerschrockene am Treffpunkt auf den Nachtwächter, der uns führen sollte. Und was soll ich sagen? Ich bin so dankbar, dass wir das mitgemacht haben. Durch die kleine Gruppe und das Wetter, war es eine ganz besondere Führung mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Die Stadt lag inzwischen im Dunkeln und war menschenleer. Der Regen prasselte ununterbrochen, sodass wir von einem permanenten Rauschen begleitet wurden und überall dort, wo noch Lichter an waren, spiegelten sich diese im Wasser. Es war ein wunderbares Erlebnis und eine ganz andere Art, eine Stadt zu entdecken.

So endete unser erster Tag auf Hochzeitsreise. Klatschnass, aber überglücklich kehrten wir zurück auf unser Zimmer, aßen noch etwas Kuchen zu Abend und gingen dann zu Bett, um für den nächsten Tag ausgeruht zu sein, schließlich hatten wir noch viel vor.

Nachtwanderung bei Regen. Foto: Deborah Zarnke
Nachtwanderung bei Regen. Foto: Deborah Zarnke

Rothenburg ob der Tauber gehört auch zu den Zielen auf meiner Deutschlandreise. Schaut also auch gerne einmal dort vorbei für nähere Infos zur Nachtwächterführung.

 

Und wenn Ihr wissen wollt, wie unser zweiter Tag in Rothenburg war und wie auf einen Tag Regen drei Wochen Sonnenschein folgten, dann könnt Ihr hier nächsten Dienstag weiterlesen. Ich freu mich auf Euch!